Wenn ein Mensch aus dem leben scheidet ist es immer, immer furchtbar. Aber ich empfinde Unterschiede. Nicht im "Grad" der Trauer, das würde ich mir nicht anmaßen wollen.
Ich verfolge (langsam notgedrungen) seit Dienstag Abend den Tod von Robert Enke. Fruchtbar, Furchtbar, das ein Mensch nicht mehr weiter weiß und diesen Weg wählt. Aber eben: selber wählt.
Die regionale Presse wird erstickt von Bildern, von Kommentaren. Ich habe das Gefühl, ganz Hannover ist auf den Beinen. Eine Andacht in der Marktkirche mit Frau Käßmann, ein Trauerzug durch die Innenstadt, ein Blumen und Kerzenmeer vor dem Stadion. Es ist schon unglaublich, was der Tod dieses Torwartes auslöst.
Es ist tragisch.Tragisch vor allem für seine Frau und seine kleine Tochter, denn diese beiden müssen nun mit der Situation leben lernen. Viele Augen werden von nun an noch mehr auf sie schauen. Und das ist es eben, was ich meine. Robert Enke hat diesen Weg selber gewählt, er hätte die möglichkeit gehabt, sein Leben zu leben.
Vielleicht stösst es mir auch nur so bitter auf, weil gerade an diesem Dienstag der kleine Sohn unserer Bekannten seinen letzten Weg gegangen ist. Und ich bin mir sicher, er hätte leben wollen. Er hätte so vieles vor sich gehabt. Ich muss unweigerlich an Mirjam, Mia, Alina und auch an unsere Pauline denken, die diese möglichkeit auf (weiter) Leben einfach nicht mehr hatten.
Natürlich ist mir auch klar, das gerade Depressionen eine so unberechenbare Krankheit ist. Eine Krankheit ja, aber keine, die in ihrem Krankheitsverlauf Lebensbedrohlich ist, wie Krebs etc.
Dazu denke ich auch immer wieder daran, das oftmals, wie auch in diesem Fall, andere Menschen mit hineingezogen werden. Wie kann der Zugführer mit der Situation umgehen, wird er wieder in eine Lok steigen können, wird er seine Arbeit aufnehmen können? Wird vielleicht er es sein, der am Selbstmord eines anderen zerbrechen wird?
Nun hoffe ich , das ich nicht allzu angefeindet werde für diese Zeilen, vor ein paar Tagen habe ich nämlich, zu einen auch sehr brisanten Thema, einen Kommentar geschrieben, und wurde sehr unfreundlich gerügt.
6 Kommentare:
Nein, ich will dich nicht angreifen und ich kann dich auch verstehen.
Nur, mir sind psychische Erkrankungen fast unheimlicher wie physische, weil ich denke, dass sie eine Menschen sehr verändern können, so sehr, dass er sein Denken und Handeln nicht mehr willentlich steuern kann, nicht mehr Herr über sich selber ist. In diesem Sinne ist diese Erkrankung, wie man leider ja immer wieder sehen kann, halt doch lebensbedrohlich.
Liebe Grüsse, Allerleirauh
Hallo Kirsten,
ich kann Dich sehr gut verstehen.Er hat seiner Frau ja eine große Bürde aufgeladen in dem er Sie um Stillscheigen gebeten hat.Das es jetzt nur so aus Ihr raussprudelt kann ich auch nachvollziehen.Was mir nicht aus dem Kopf geht ist der Lokführer,er muß damit Leben und ich weiß aus eigener Erfahrung wie es ist wenn jemand im Bett neben dir liegt und immer und immer wieder den selben Traum hat.
Es hätte bestimmt auch für Robert Enke einen besseren Weg gegeben.
Herzliche Grüße Angelika
Ich weiß von Lebensgefährten von depressiven Menschen, dass die Krankheit ihres Partners für die Lebensgefährten nicht weniger schlimm ist als Krebs, wegen der Unberechenbarkeit und dem eben doch lebensbedrohlichen Verlauf. Und dass die Depressiven eben NICHT die Wahl hätten, sondern gerne dieses Leid überwinden würden, es aber eben nicht können.
Ich glaube, das kann man erst beurteilen, wenn man es selbst erlebt hat.
Frau Enke und allen anderen Verlassenen geht es jedenfalls nicht besser als anderen Hinterbliebenen.
Ich mag Deinen Blog und das, was Du darin schreibst, gerade wegen Deiner Geradlinigkeit, Traute und der gehaltvollen Inhalte (leeres Geplänkel kann jeder).
Ich hoffe, Du nimmst mir meinen Kommentar nicht übel, auch wenn ich eine andere Ansicht habe. Deine Ansicht kann ich aber auch gut nachfühlen, da auch in meinem engen Umfeld jemand früher gehen mußte, als es richtig sein konnte.
Übrigens mache ich zur Zeit den Fernseher gar nicht mehr an, weil es mich anwidert, wie das ausgeschlachtet wird.
Ganz lieben Gruß an Dich und die Deinen
Marion
Ja, da hast du recht, sie sind in diesem Sinne eben doch lebensbedrohlich. Und unheimlich auf jeden fall, eifach, weil man nicht so "dahinter"sehen kann.
Danke für deine Gedanken,
Liebe Grüße,
Kerstin
@ Marion.
Siehst du, das wollte ich eben nicht: Beurteilen. Aber das hast du ja auch so gesehen! Ich habe bislang noch keine Depressive Person begleiten müssen (dürfen?).
Aber so wie du schreibst, wird es mir klarer, wie schwer es sein muss.
Und ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn wir verschiender Meinungen sind, gerade andere Meinungen bringen einen doch immer wieder auch zu weiter-denken und weiter-entwickeln ;o)
Danke für deinen Kommentar!
Liebe Grüße,
Kerstin
Liebe Kerstin,
ich habe selbst jemanden mit schweren Depressionen in der Familie, unter diesem Krankheitsbild leidet nicht nur der Betreffende selbst, sondern auch die Angehörigen und Freunde.
Trotz allem teile ich Deine Gedanken, auch ich habe an die Angehörigen gedacht, an seine Frau und Tochter, und nicht zuletzt an den Lokführer, in dessen Leben auf so tragische Art und Weise Eingriff genommen wurde.
Auch mir stösst es bitter auf, dass so viele Menschen sterben müssen, die diese Wahl nicht gehabt haben, vielleicht so gern weiter gelebt hätten.
Vielleicht aber, gibt der Tod Robert Enkes auch anderen Menschen einen Anlass, darüber nachzudenken, und trägt ein Stückchen dazu bei aufzuklären, was für ein ernstes Krankheitsbild sich hinter Depressionen versteckt.
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